Direkt zum Hauptbereich

Posts

Lesetipp: Studien ohne praktischen Nutzen

Um den Nutzen von Arzneimitteln für Patienten beurteilen zu können, brauchen wir klinische Studien. Allerdings lassen sich bei weitem nicht aus jeder Studie auch tatsächlich entsprechende Rückschlüsse ziehen. Ein Grund dafür: In der Studie werden keine relevanten oder aussagekräftigen Endpunkte erhoben. Dieses Problem diskutiert ein Autorenteam des Oxford Center for evidence-based medicine in einem Beitrag in Trials. Dabei identifizieren sie eine Reihe von Endpunkten, aus denen man oft keine sichere Schlussfolgerung ziehen kann:
Surrogatendpunkte: Hier müsste klar nachgewiesen werden, dass sich die Ergebnisse auch auf patientenrelevante Endpunkte übertragen lassen. Das ist aber häufig nicht der Fall.Zusammengesetzte Endpunkte: Sie überschätzen häufig den Behandlungseffekt, sind nicht immer nach klinisch sinnvollen Gesichtspunkten kombiniert oder schlecht definiert.Subjektive Endpunkte: Sie sind vor allem dann problematisch, wenn in den Studien die verdeckte Zuteilung und/oder Verblind…

Lesetipp: Schleichwerbung in der Seifenoper

Pharma-Werbung hat viele Gesichter: Längst ist sie nicht auf bunte Anzeigen beschränkt, sondern kommt etwa auch als "native advertising" im quasi-redaktionellen Gewand oder in "disease-awareness"-Kampagnen daher.

Einen besonders dreisten Fall hat kürzlich der Hämato-Onkologe Vinay Prasad in den USA entdeckt: Die Protagonistin der TV-Serie "General Hospital" entwickelt einen seltenen Knochenmark-Krebs (Polycythemia vera), bei dem als Komplikation Thromben auftreten können. Die übliche symptomatische Behandlung besteht aus Antikoagulantien und Aderlässen (tatsächlich!). Der Protagonistin scheint das nicht weit genug zu gehen und fragt nach einer "kausalen Therapie". Die gibt es tatsächlich: Nämlich von einem Sponsor der Serie, einer US-amerikanischen Pharmafirma, die den Januskinase-Inhibitor Ruxolitinib vertreibt. Was in "General Hospital" jedoch nicht erwähnt wird: Ruxolitinib hat ein sehr enges Indikationsgebiet und ist bei weitem ni…

Lesetipp: Faktenboxen

Über Faktenboxen hatte ich bereits vor einiger Zeit in meinem Podcast berichtet. Kurz zur Erinnerung: Faktenboxen stellen anschaulich das Ergebnis einer Intervention im Vergleich zu Placebo, einer anderen Behandlung oder bloßem Abwarten dar. Die Daten für die Faktenboxen kommen in der Regel aus großen systematischen Übersichtsarbeiten. Faktenboxen auf Deutsch hat das Harding Center für Risikokompetenz in Zusammenarbeit mit der AOK und der Bertelsmann Stiftung entwickelt.

Die Veröffentlichung neuer Faktenboxen durch die AOK haben Gerd Gigerenzer vom Harding Center und Kai Kolpatzik von der AOK zum Anlass genommen, das Konzept im British Medical Journal vorzustellen.

BMJ 2017;357:j2460


Evidenz-Sprechstunde: 7 Gründe, warum p-Werte nicht das aussagen, was du glaubst

Eigentlich wird über p-Werte und Signifikanztests schon seit ihrer "Erfindung" Anfang des 20. Jahrhunderts sehr kontrovers diskutiert. Allerdings nicht so sehr über die Methodik selbst, sondern mehr über die (missbräuchliche) Verwendung und fragwürdige Interpretationen. Die haben dazu geführt, dass signifikante Ergebnisse etwa in klinischen Studien unglaublich gehypt werden und viele wichtige Fragen gar nicht mehr gestellt werden. Allerdings hat die Diskussion in den letzten Jahren wieder Fahrt aufgenommen, besonders im Zusammenhang mit der "Replikationskrise". So hat 2015 das Journal " Basic and Applied Social Psychology" beschlossen, in Papern keine p-Werte zu veröffentlichen (was aber auch wiederum kritisiert wurde). Auch auf Twitter flammen entsprechende Diskussionen immer wieder auf und führen zu wahren "Kriegen" zwischen Frequentisten und Bayesianer, während andere Stimmen daran erinnern, dass sich die wesentlichen Probleme mit keinem der…

Podcast Evidenzbasierte Pharmazie im Mai

In der Rubrik „Evidenzbasierte Pharmazie in der Praxis“ gibt es wieder Hinweise zu verfügbaren evidenzbasierten Informationen, die sich besonders gut für die Beratung in der Selbstmedikation nutzen lassen. Neues gibt es bei medizin-transparent, im Patientenportal des IQWiG und in der Cochrane Library. In der Reihe zu epidemiologischen Studien geht es dieses Mal um Kohortenstudien. Und weitere interessante Neuigkeiten finden Sie im Blick „Über den Tellerrand“, dieses Mal wieder mit der Evidenz-Sprechstunde und einem Beitrag zum Thema Überdiagnosen.







Podcast als MP3 downloaden


Links zu evidenzbasierten Informationen für die OTC-Beratung
IQWiG-Patienteninformation zu WarzenMedizin-transparent
* Calcium gegen Allergien
* Aloe vera bei Hauterkrankungen
* Vitamin D gegen Krebs
* Zwiebelsäckchen bei MittelohrentzündungCochrane Review: Vitamin E bei Gedächtnisstörungen
Mehr Infos zu "Evidenzbasierte Pharmazie auf den Punkt" (epidemiologische Studien)
Klug S et al. Wichtige epidemiologisch…

Lesetipp: Weniger Anforderungen für die Zulassung?

In den letzten Monaten sind immer häufiger Forderungen zu hören, dass man die Hürden bei der Zulassung doch nicht so hoch hängen sollte. So plädiert etwa auch der neue FDA Commissioner Scott Gottlieb dafür, die Zulassungsstudien zu straffen und etwa Phase 2- und Phase 3-Studien zusammenzulegen. Wenn es tatsächlich immer Arzneimittel mit hohem Nutzen und kalkulierbaren Risiken sind, würden natürlich Patienten von einer schnelleren Zulassung profitieren (aber auch die Pharmafirmen, die mit ihren Produkten schneller auf den Markt kommen können). Wenn...

Wie bereits in der Debatte um "adaptive licensing" weisen natürlich auch in der aktuellen Diskussion Kritiker darauf hin, dass unsere Erkenntnisse über die neuen Medikamente rapide sinken, wenn wir uns beispielsweise für die Zulassung mit Ergebnissen aus Phase II-Studien zufriedengeben. Das betrifft sowohl den Nutzen als auch die Sicherheit der Arzneimittel.

In den vergangenen Wochen ist nun einiges an Evidenz dazu gekommen, da…

Evidenz-Geschichte(n): Die Geschichte des animalischen Magnetismus

Paris 1780. Der Arzt Franz Mesmer bittet die medizinische Fakultät darum, seine Heilmethode zu überprüfen: den animalischen Magnetismus, mit dem er schon große Erfolge gefeiert hat. Diese Angelegenheit bringt die medizinische Forschung ein ganzes Stück voran - wenn auch anders, als Mesmer es gedacht hat.

Viel Spaß mit der neuen Episode der Evidenz-Geschichte(n)!